Was ist eigent­lich Legal Design?

cevc consulting

Zuge­ge­ben, die­se Fra­ge zu beant­wor­ten stellt mich vor eine gewis­se Her­aus­for­de­rung. Ich beschäf­ti­ge mich schon län­ger und pha­sen­wei­se sehr inten­siv mit dem The­ma Legal Design, den­noch bleibt es gele­gent­lich schwer zu (um)greifen. Die Brei­te und Viel­falt ist groß.

Legal Design ist inter­dis­zi­pli­när. Der Begriff umfasst einen gan­zen Strauß von Metho­di­ken. Wie der Name schon andeu­tet, fußen sie auf Erkennt­nis­sen der Design-Wis­sen­schaf­ten; sie stel­len den Men­schen in den Mit­tel­punkt und gestal­ten auf die­ser Basis Lösun­gen, stel­len das gefun­de­ne jedoch auch regel­mä­ßig in Fra­ge.

Die zwei der­zeit prä­sen­tes­ten Berei­che sind auf der einen Sei­te Design Thin­king und Ser­vice Design als kon­ti­nu­ier­li­che Metho­di­ken zur Schaf­fung eines signi­fi­kant bes­se­ren Nut­zer-Mehr­werts und von Inno­va­ti­on. Sie arbei­ten ite­ra­tiv und begin­nen bei einer Schär­fung des Pro­blem­ver­ständ­nis­ses. Über die Fin­dung und Umset­zung von Ide­en ermög­li­chen sie schließ­lich eine Über­prü­fung der Ergeb­nis­se und erschaf­fen dadurch einen Erkennt­nis­ge­winn. So kann in meist meh­re­ren Run­den eine Lösung geschaf­fen wer­den, die in dem gege­be­nen Rah­men einen größt­mög­li­chen Mehr­wert für die Ziel­grup­pe schafft.

Auf der ande­ren Sei­te ist natür­lich auch die kon­kre­te Gestal­tung von Lösun­gen umfasst, etwa wenn ange­sichts der Nut­zer­be­dürf­nis­se Ver­trä­ge in Form von Comics dar­ge­stellt1 wer­den.

Hier­bei ist Kern des Ansat­zes, auf Erkennt­nis­se aus ande­ren Dis­zi­pli­nen zurück­zu­grei­fen. So kom­men etwa bei der Gestal­tung soge­nann­te Design Pat­terns zur Gel­tung, also bewähr­te Mus­ter zur Lösung einer kon­kre­ten Auf­ga­be. Die­se sind mei­nem Kennt­nis­stand in der Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung erst­mals (wenn auch immer noch nur im klei­nen) in ein Gesetz auf­ge­nom­men wor­den2.

Eben­so essen­ti­ell wie die Über­nah­me von Erkennt­nis­sen ist es, Ver­mu­tun­gen von Fak­ten zu unter­schei­den. Hier­zu leh­ren uns die Design-Wis­sen­schaf­ten, dass wir häu­fig Fehl­an­nah­men unter­lie­gen. Um die­se auf­zu­de­cken nutzt Legal Design stan­dard­mä­ßig ite­ra­ti­ve Pro­zes­se, in denen ein Ent­wurf (meist in Form eines Pro­to­typs) geschaf­fen wird, der an den Anwen­dern getes­tet und auf Basis der Erkennt­nis­se ver­bes­sert wird.

Doch wir dür­fen hier nicht ste­hen blei­ben: Legal Design ist auch eine Dis­zi­plin, die ihre Gren­zen noch selbst sucht und die sich fort­lau­fend wei­ter­ent­wi­ckelt. Einen aktu­el­len, kol­la­bo­ra­tiv ent­wi­ckel­ten Stand der Kern­punk­te greift das Legal Design Mani­festo (exter­ner Link) auf, das ganz im Sin­ne eines kon­ti­nu­ier­li­chen Lern­pro­zes­ses auch offen für Kom­men­ta­re ist.

Noch span­nen­der als die Fra­ge, was genau Legal Design ist oder eben nicht ist, erscheint mir jedoch, wo es sich gut ein­set­zen lässt. Hier­zu gibt es zuneh­mend mehr Erfah­run­gen, die von ganz neu­en Mög­lich­kei­ten des Zugangs zu Recht bis hin etwa zur Ver­bes­se­rung von Ver­trags­pro­zes­sen und Beschei­den rei­chen.

Hier­zu gibt es auch einen klei­nen Ein­druck in fol­gen­dem Video-Inter­view:

Video-Inter­view von Axel Adri­an (FAU) mit Bal­ta­sar Cevc zum The­ma: Ein bes­se­rer Zugang zum Recht mit Legal Design? (Link auf You­Tube, öff­net in einem neu­en Tab)


 

  1. Das wohl bekann­tes­te Pro­jekt sind Arbeits­ver­trä­ge in Comic-Form, die für Farm­ar­bei­ter in Süd­afri­ka genutzt wer­den. Einen ers­ten Ein­druck kann man auf der Sei­te von Crea­ti­ve Con­trac­ts gewin­nen
  2. Erwä­gungs­grund 60 DSGVO greift in Satz 5 auf, dass die Infor­ma­tio­nen mit Unter­stüt­zung stan­dar­di­sier­ter Bild­sym­bo­le umge­setzt wer­den kann. Wich­tig ist hier­bei die Stan­dar­di­sie­rung, denn erst dadurch wird es zu einem (wie­der­keh­ren­den) Mus­ter